Donnerstag, 1. Juli 2010

NO8DO

Und nach vielen, vielen Blogs nun der letzte seiner Art: schon ist es um, das halbe Jahr, das vieles verändert hat. Als ich mein Erasmus-Motivationsschreiben abgeschickt hatte, hätte ich nie für möglich gehalten, wie wahr die gängigen Phrasen –Erfahrungen sammeln, andere Kulturen kennenlernen, Horizont erweiternblablabla- wirklich werden können.
Und weil ich so viel gelernt habe, will ich meine wichtigsten Erkenntnisse mit der Welt teilen:
Wichtigste Erkenntnis Platz 3: Andere Länder, andere Sitten.
Auf dem Klo nicht spülen oder sich die Hände waschen sind ungute Beispiele; Bartouren OHNE GLEICHEN und um 4 Uhr nachts zu fragen „wohin jetzt?“ dagegen sind lebenswert.
Wichtigste Erkenntnis Platz 2: Ignoranz ist auch ein Wert.
Dass der Spanier nur Spanisch kann und sonst keine andere Sprache, hält ihn nie von abwertenden Sätzen wie „du sprichst aber nicht gut Spanisch“ ab. Als Rache weigern sich die Franzosen, das r zu rollen und den Italienern ist die Aussprache völlig schnuppe.
Wichtigste Erkenntnis Platz 1: Es gibt so viele tolle Menschen.
Und zwar aus aller Herren Länder. Und man kann hundertmal sagen: die Amis… oder diese Franzosen…; irgendwann trifft man den liebenswertesten Amerikaner der Welt und schwupp, muss man alle seine wohlgepflegten Vorurteile über Bord werfen.
Es war also ein unvergleichliches Semester, mal mit überraschenden –joggen im Minirock-, mal mit schockierenden –von einem Opa angemacht werden-, aber vor allem mit tollen Erlebnissen, wie mit den besten Nicht-Mitbewohnern der Welt, den homies der casa del siglo XVI.
Und damit geht’s ab nach Hause, allen mit denen ich eine so gute Zeit hatte mit dem Taschentuch ein adiós winkend.
Y colorín colorado, este cuento se ha acabado.

Samstag, 26. Juni 2010

Tage wie diese

Weil man nur einmal im Leben Erasmus ist und deshalb das Glas immer bis auf den letzten Tropfen austrinken sollte, haben wir zwischen den Prüfungen drei Tage Madrid eingeschoben. Soll heißen: 7 Mädls, ein erstaunlich komfortabler Nachtbus und leider kein Reiseführer, sondern nur die eigene Faust. Also versuchten wir, in die wenigen Tage so viel Madrid wir nur möglich zu pressen und das ganze im Stück zu schlucken – ist aber gar nicht so einfach bei einer Stadt, die so groß, so bunt und so unheimlich lebhaft ist. Neben dem üblichen Touri-Programm –das wir natürlich mit Fotoapparat und Stadtplan bewaffnet durchgezogen haben- hat Madrid nämlich wirklich noch viel mehr zu bieten. Die Häuser sind nicht alle so hübsch und fein rausgeputzt wie in Sevilla, aber das macht nichts, weil man von den ganzen verschiedenen Menschen auf der Straße zu abgelenkt ist, um nach oben zu schauen. Und auch das Sightseeing an sich war nicht so spannend wie erwartet. Das Seltsame ist, dass all diese kleinen, gar nicht so besonderen Teile zusammen ein erstaunliches Gesamtes ergeben, eine tolle Stadt, bei der ich gleich Lust bekommen hatte, dort zu wohnen. Aber nein, natürlich ist nicht alles Sightseeing unspektakulär gewesen: einen Tag (und wirklich nahezu den ganzen Tag) verbrachten wir im Prado-Museum, sozusagen einem Mekka aller, die gerne auf alte Leinwände in riesigen Rahmen starren. Dieses Museum ist wirklich beeindruckend, man sieht all die großen Namen, die man schon so oft gehört hat und immer noch nicht zuordnen kann, und natürlich ist es überaus praktisch, wenn man zufällig eine Kunstgeschichte-Studentin zur Hand hat (yeah!). Trotz oder wegen schmerzender Füße, mexikanischem Essen, verwirrenden Schmuckverkäufern, Museen, spanischem Essen, Urwäldern in Bahnhöfen, aufdringlichen Männern und indischem Essen hat sich Madrid also als sehr liebenswerte Stadt entpuppt.
Danach ging der Ernst des Leben –oder was davon in la vida erasmus übrig geblieben ist- allerdings wieder los und ich musste meine Prüfungen hinter mich bringen. Nun ja, sagen wir, hinter mich gebracht hab ich sie.
So, und nun die letzte Woche, und ich mache das einzig Sinnvolle: essen, shoppen und feiern gehen.

Dienstag, 15. Juni 2010

Schlaaaaaaaaand!!!

Wie im Rest der großen weiten Welt ist auch in Sevilla das WM-Fieber ausgebrochen. Leider hat man hier von Public-Viewing im eigentlichen Sinne (also, in freier Wildbahn mit Leinwand und zu teuerem Bier in Plastikbechern) noch nie etwas gehört; wir mussten uns also eine Lieblings-WM-Bar suchen, was aber auch ok ist: es gibt dort Pommes, Bier und einige Fernseher, und der Kellner kennt uns mittlerweile auch schon.
Ich frage mich gerade schon in ängstlicher Erwartung, was auf den Straßen wohl morgen nach dem Spanien-Spiel los sein wird… die Spanier haben nämlich schon ohne Anlass die nervtötende Angewohnheit, laut und durchgehend zu hupen. Ein besonders umsichtiges Exemplar eines Anwohners fängt beispielsweise jede Nacht um 12 Uhr–nachdem er eine halbe Stunde bei laufendem Motor in seinem Auto vor meinem Fenster gesessen hat- zu hupen an. Und zwar so lange, bis der, auf den er wartet, endlich aus dem Haus kommt- und der andere schient eher eine gemütliche Natur zu sein…Na ja, man gewöhnt sich an Vieles und ich gehe jetzt immer erst nach 12 schlafen. Pünktlich um halb 1 kommt zwar die Müllabfuhr und macht ohrenbetäubenden Lärm, aber man kann ja nicht alles haben.
So, dann noch eine Geschichte zur aufopferungsvollen Hilfsbereitschaft junger Menschen: ich hatte letztens meinen Freund und Helfer, mein Radl, in der Nähe von ein paar Bars abgestellt und musste beim Losfahren bemerken, dass der Lenker und das Blech total verbogen waren. Mein pessimistisches Ich wollte gleich anfangen, über randalierende Spanier zu zetern, als mein praktisches Ich alles wieder gerade bog und feststellte, dass plötzlich die Bremsen funktionierten! Na ja, und als der Optimist, der ich nun mal bin, gehe ich jetzt einmal davon aus, dass jemand netterweise meine Bremsen repariert hat und dabei vielleicht aus Versehen den Rest des Rads ein bisschen demoliert hat =)
Morgen in der Nacht geht es mit dem Bus nach Madrid, der letzte Ausflug in Spanien. Ich freu mich schon darauf, wie es ist, „echtes“ Spanisch zu hören!

Sonntag, 6. Juni 2010

Heimatbesuch & Gute Zeiten


Die Familie hat es schließlich doch geschafft, mich in der Ferne zu besuchen und ist mit Verspätung und ohne restliche Nerven bei mir angekommen. Meine Vorbereitungen bestanden aus einigen Stunden putzen (um dem zentraleuropäischen Sauberkeitsempfinden entgegen zu kommen) und einem Kühlschrank voller Käse.
Zwei Tage lang holte ich dann mein Handfähnchen und das beste Touristen-Outfit heraus, um der Familie möglichst viele Seiten von Sevilla zu zeigen. Die Schwester zeigte sich sehr angetan von den Geschäften und meiner Kreditkarte, die Mama von den Tapas und dem Papa gefiel am Meisten, dass es hier schon zu Mittags ein Bier gibt. Einen Tag fuhren wir zur Abwechslung ins Bergstädchen Ronda und einen weiteren an einen wunderbaren, versteckten Strand an den Atlantik, was uns vor der unglaublichen Hitze mit Saharawind rettete, die in diesen Tagen Sevilla lahmlegte. Mittlerweile hat sich die Sauna-Temperatur wieder –für hiesige Verhältnisse- normalisiert, aber die Familie war dann fast froh, dass sie wieder ins regnerische Deutschland zurück ‚durfte’.
Und so bin ich wieder alleine – wobei ich hier natürlich nie alleine bin- und tu, was ich immer mache: Freunde treffen, Strandausflüge machen, Fortgehen und mich auch ab und zu freuen, dass sich mein Spanisch dann doch ein Stück verbessert hat. Also, von Level 0 auf 3 oder so =)
Langsam schleicht sich aber auch ein wenig Abschieds-Denken ein. Die ersten Freunde treten schon die Heimreise zurück in das reale Leben an, und ich kann immer noch nicht glauben, dass schon 4 Monate vergangen sein sollen… Aber um dem ganzen auch etwas Gutes abzugewinnen: Abschiede sind die perfekte Gelegenheit richtig feine Feste zu feiern!!

Mittwoch, 26. Mai 2010

Die blauen und die hellblauen Tage

Sevilla ist umwerfend, und auch die Leute, die ich hier kennenlerne machen dieses Auslandssemester zu einem unvergesslichen Erlebnis. Aber das Schönste, das Allerschönste ist einfach sie Sonne. Jeden Tag wenn ich Vormittag auf mein Rad steige –das bei einer unfreundlichen Begegnung mit den Straßenbahnschienen den Kürzeren gezogen hat - und mir auf dem Weg zur Uni oder zum Einkaufen der sonnenwarme Wind um die Nase braust…ach, das ist einfach ein tolles Gefühl.
Mittlerweile haben auch die Freiluft-Discos aufgemacht, bei denen unter Palmen getanzt wird – zu schade dass man anstrengende Leute da nicht hinaussperren kann…
Gestern hatte ich meinen ersten Vortrag vor einer Klasse – auf Spanisch! Ich dachte schon ich hätte es recht gut hinbekommen und war gerade dabei, mir selbst auf die Schulter zu klopfen, als die Professorin eine Frage stelle, die ich natürlich nicht beantworten konnte. Ein kleiner Tip für alle zukünftigen Erasmus-Studenten: schon einmal vor dem Spiegel das „ich versteh doch nichts, ich armer Austausch-Student aus einem fernen Land“-Lächeln üben – ihr werdet es oft genug brauchen…
Und so geht das spanische Leben dahin; die Hunde pinkeln auf die Straße und die Waschmänner waschen es jede Nacht ab; niemand zieht an der Uni seine Schuhe aus und die Spanier tragen immer noch lange Hosen; die Männer pfeifen einem auf der Straße hinterher und die Frauen tragen alle Stöckelschuhe. Aber das Wichtigeste was man über Sevilla wissen solle: geh niemals, aber auch niemals, nicht einmal wenn du sonst explodierst, hinter einen Busch ohne davor nachzusehen ob jemand dahinter schläft….
=)
ach ja, die nächsten Tage werdet ihr Ruhe vor mir haben: die Familie nistet sich in der Casa Tina ein und will unterhalten werden!

Montag, 17. Mai 2010

Und willst du, Spanien, die hier anwesende…..?

Wie ist das doch mit einer Beziehung: zuerst einmal ist man fast geblendet von all den tollen Eindrücken, bis man nach und nach auch die Dinge bemerkt, die einen in den täglichen Wahnsinn treiben… Ganz genau so geht es auch mit Spanien:
Am Anfang ist alles neu, es kribbelt beim ersten Date mit der großen, spanischen Stadt. Alles ist so anders, das Essen ist zu gut um kein schlechtes Gewissen aufkommen zu lassen und man lernt jeden Tag neue Leute aus allen Nationen dieser Welt kennen. Sprachbarrieren werden immer gerne überwunden, auch ohne gemeinsame Sprache, regnerische Tage sind „Sommerregen“, man verzeiht sogar eine viel zu hohe Schmutztoleranz der Spanier. Na ja, und wie es nun so ist wenn sich der Alltag in das schöne Leben einnistet, dann merkt man plötzlich, wie deutsch man ist und wie spanisch die Umgebung. Die Diskos sind oft mäßig spannend, das Essen macht dick und es macht einen verrückt dass man noch immer kein richtiges Spanisch kann weil hier alle sprechen als hätten sie einen schweren Sprachfehler (Andaluz!). Es wir lästig, dass die Leute –für mitteleuropäisches Empfinden- zu nah herangehen, wenn sie mit einem reden und dass das Vorurteil über aufdringliche spanische Machos mehr als bestätigt werden kann (das Vorurteil über gutaussehende, aufdringliche Machos dagegen nicht, zur Hölle). Und Kakerlaken in der Bar sind Lichtjahre jenseits der Toleranzgrenze…
Doch im Großen und Ganzen führen Spanien und ich eine sehr harmonische und immer noch aufregende, spannende Beziehung. Doch keine Angst, meine lieben deutschen (und österreichischen) Freunde, was als Affäre angefangen hat, wird auch eine solche bleiben – diese kleine Sommerliebe ist nicht von Dauer und endet als ein Fotoalbum voll Erinnerungen =))

Dienstag, 4. Mai 2010

Das Leben wie es sein sollte

Und wieder einmal muss ich mir die Augen reiben wenn ich in den Kalender sehe: es ist schon Mai?! Langsam wird sogar uns gedankenlosen Erasmus-Studenten klar, dass man auch in Spanien für die Uni arbeiten muss –oder sollte. Ich sehe es aber nicht ein, mich vom Prüfungsmonat Juni schon im Voraus einschüchtern zu lassen, deshalb verbringe ich meine Tage mit dem, was man tun sollte wenn man jung ist: laue Abende auf Karodecken am Fluss oder auf der Dachterrasse, mit dem Klapperrad durch Sevilla fahren, weggehen bis es hell wird, Sandwiches und last-minute-Hausaufgaben im Park und natürlich vor allem an den Strand fahren! Am Wochenende haben wir unseren ersten Badeausflug unternommen – leider hatten wir nicht berücksichtigt, dass alle strandlosen Einwohner Sevillas am Maifeiertag die gleiche Idee hatten… Alles aber halb so schlimm, ein wenig ’kuschelig’ vielleicht am Strand, aber der Atlantik hat mich mit einer Wellenpracht entschädigt – auch wenn die Wassertemperatur noch um, sagen wir 15 Grad steigen darf…
Ein guter Zwischenstand also, mir geht es gut in Spanien, auch wenn ich mich natürlich dann wieder auf die Heimat freue! Ich hoffe euch allen geht es auch gut! (Denn: ein Blog ist ein One-Way Medium. Ich freue mich aber auch über Neuigkeiten von zu Hause per Mail! =) )

Sonntag, 25. April 2010

Feria de abril


In diesen Tagen ist es sehr ruhig vor meinem Fenster im Erdgeschoss, vor dem schon mal in der Nacht die eine oder andere Party steigt. Der Grund dafür ist, dass die vergangene Woche die Feria de abril auf der anderen Seite des Flusses stattgefunden hat, was nicht nur überhöhte Taxipreise und den Einfall von Touristen zur Folge hatte, sondern auch nächtliche Ruhe im Zentrum – wo ich wohne!
Die Feria ist schon eine tolle Sache: hunderte Zelte werden auf dem Festplatz aufgestellt, Fahrgeschäfte, Futterstellen für die Massen, nachmittags arbeitet diese Woche niemand und die Studenten bekommen gleich ganz frei um zu feiern. Jung und Alt wirft sich in seine bunten Flamencokleider oder sonst irgendwie in Schale, die Männer holen ihre Anzüge raus und alle tanzen, tanzen, tanzen die ganze Nacht. Die Zelte der Feria sind nahezu alle privat und in den öffentlichen alle betrunken. Wenn man aber das Glück hat, jemanden zu kennen, der jemanden kennt, der in ein Zelt hinein darf (Yessss!), dann bekommt man eine Liveband zu sehen und Sevillaner von 3 bis 100 Jahren, die miteinander Sevillanas tanzen. Das ist ein toller Paartanz, der aber zu schwierig ausgesehen hat als dass ich ihn lernen wollte. Es ist immer wieder erstaunlich, dieser „Feier-Mentalität“ der Sevillaner zu sehen: ganz egal welche Figur oder welches Alter, jede Frau zieht sich ein todschickes –und hautenges- Flamencokleid an und schnappt sich einen Mann –egal welche Figur oder welches Alter- und tanzt! Um es ein wenig anschaulicher zu machen: stellt euch mal eure Oma vor, die schon gut beschwipst von Sherry mit Sprite im gepunkteten Voilant-Kleid mit einem 30 Jahre jüngeren Tanzpartner die jungen Mädls an die Wand tanzt. Das klingt doch ehrlich nach Feier-Mentalität.
Heute endet die Feria mit einem großen Feuerwerk, was manche Sevillaner wahrscheinlich sehr betrübt werden lässt. Und für mich erstmal das Ende erholsamer Nächte bedeutet =)

"Erleuchten" der Feria als Startschuss:
http://www.youtube.com/watch?v=tNUSEZTIDtY&feature=PlayList&p=3BCFE9AF9C15F21D&playnext_from=PL&index=0&playnext=1

Donnerstag, 22. April 2010

Zeitreisen und Vulkanausbrüche


Dass man bei einer Reise nach Marrakesch zwei Stunden geschenkt bekommt und somit um 10.00h wegfliegen und um 9.20h ankommen kann hat unsere kleine Reisegruppe gleich begeistert. Dass das Raum-Zeit-Gleichgewicht für unbedachte Zeitreisen jedoch offenbar einen Preis verlangt, das erfuhren wir erst nach drei Tagen in der Stadt des Chaos.
Wenn ich nur ein Wort hätte, dann würde ich Marrakesch als absurd beschreiben. Absurd schmutzig auf den ersten Blick, absurd orientierungslos auf den zweiten und absurd spannend auf den dritten. Wer schöne Paläste oder überhaupt Schönheit im herkömmlichen Sinn erwartet, der wird bitter enttäuscht seine sieben Sachen packen und wieder ins aufgeräumte Europa zurückkehren müssen. Dafür bekommt in all dem wirren Gedrängel eine völlig neue Welt zu sehen, wer die Augen schön weit offen hält. Das unüberschaubare Labyrinth des Bazars zieht natürlich vor allem uns glitzer-klimper-kaufsüchtige Mädls an, aber auch untreuegefährdete Freunde teurer Marken kommen voll auf ihre Kosten: Chanel, Louis Vuitton, Converse, Ray Ban und so weiter und so fort und das alles sehr original und zu einem good price, wenn man den Händlern trauen darf (das darf man aber nicht). Nach 3 Tagen sind wir jedenfalls so geübt im Preise aushandeln, dass wir zum Flughafen die Hälfte weniger zahlen als bei der Hinfahrt. Doch nach der Taxifahrt –zu Siebt im 5-Sitzer, ist doch selbstverständlich- vergeht uns aber das Lachen recht schnell, als wir die ungläubigen Gesichter vieler, vieler Leute vor den Tafeln voller „Cancelled“-Anzeigen sehen. Und weil Ryanair nun mal Ryanair ist und auch nichts für Aschwolken kann, bleibt uns nichts anderes übrig als eine 10-Stunden-Zugfahrt nach Tanger anzutreten, dort zu übernachten, beim Ticketkauf für die Fähre noch einmal schnell über den Tisch gezogen werden und dann noch ein paar Stunden mit dem Bus nach Sevilla zu fahren…
Und die Moral von der Geschicht: Mit Zeitreisen spielt man nicht!
Aber weil sich das jetzt irgendwie so dramatisch anhört: der Trip nach Marokko war toll, und auch die etwas verlängerte Heimfahrt war in unserer bunten 6er-Gruppe nicht so übel wie man meinen könnte. Auch wenn 4 davon Österreicher waren (HAHAHAHA). Kleiner Scherz.

Mittwoch, 14. April 2010

Comeback

Nun hat mich das Schicksal aller motivierter Blogger eingeholt: man lebt und hat keine Zeit und vergisst und schreibt nicht mehr. Aber ich bin wieder zurück, und das nicht nur bloggertechnisch gesehen, sondern ganz allgemein. Ich bin wieder zurück in Sevilla nach einem erholsamen Heimaturlaub, der mich leider um die erstaunliche Semana Santa hier gebracht hat, bei der alle Welt mit Heiligenstatuen und Masken, die mich ein wenig zu sehr an den Ku-Klux-Klan erinnern, durch die Straßen ziehen.
Damit ich die Heimat auch nicht gleich wieder vermisse ist sie übers Wochenende einfach zu mir gekommen: Hanna und Birgit sind nach vielen langen Stunden am Samstag bei mir eingefallen, um sich mal mein Leben hier anzusehen. Und bekamen promt einen Kulturschock als wir auf ein enormes Hippie-Festival gingen, bei dem es neben schönem Kunsthandwerk auch alle möglichen bekannte und unbekannte Gerüche und „Kräuter“ zu bestaunen gab. Neben solchen Verrücktheiten haben wir natürlich auch eine feine Touristen-Tour durch die Stadt gestartet und waren –ja was wohl?- Tapas essen.
Weil ich schon darauf achten muss, dass mir nicht plötzlich langweilig wird, mache ich mich mit ein paar Freunden am Freitag auf den –kurzen- Weg nach Marrakesch, Marokko. Für alle die jetzt Ohmeingott sagen: ich weiß, dass die Basare dort das Mekka der Taschendiebe sind. Aber was wäre das Leben ohne ein bisschen Risiko?
=)

Donnerstag, 18. März 2010

Ausflugszeit

Am Wochenende haben wir die Gunst der Stunde bzw. des Wetters genutzt, um uns zu Fünft in einen Ford Fiesta zu zwängen und die dreistündige Fahrt nach Granada anzutreten. Ich wurde gottseidank von der Aufgabe des Fahrens verschont, zum Wohle aller, vermutlich… Die erste Regel auf Spaniens Straßen lautet nämlich sehr darvinistisch: survival of the fittest.
Granada war dann jedenfalls toll, auch wenn wir es irgendwie nicht geschafft haben, den Eingang zur Kathedrale zu finden. Die Alhambra durfte natürlich auf unserer Tour nicht fehlen und ich muss schon sagen, das ist eine Palastanlage, in der es sich vermutlich gut leben ließ - auch wenn der halbstündige Bergaufstieg für mich nicht gerade einen Pluspunkt ausmacht =) Bei all dem Besichtigungsstress hatten wir einen Bärenhunger bekommen, leider aber zu einer unmöglichen Zeit für Spanien: zwischen 17 und 20 Uhr findet man hier kein Lokal, das offen hat – bis auf BurgerKing, wo wir im Endeffekt auch gelandet sind und uns dabei sehr touristisch gefühlt haben.
Gegen Abend ging es weiter nach Málaga. Die Landschaft auf der Fahrt dorthin soll sehr beeindruckend gewesen sein, davon kann ich aber leider nichts berichten, weil holpriges Autofahren auf mich eine unglaublich einschläfernde Wirkung hat… Málaga an sich ist eine nette Stadt mit einer Vorliebe für Einbahnstraßen und einem Picasso-Museum, das keine wirklich berühmten Bilder abgekriegt hat. Unser Hostel war auf den ersten Blick super, leider hatten wir etwas unangenehme Zimmergenossen – meine Ohrstöpsel bewahrten mich allerdings vor dem schlimmsten alkoholinduzierten jugendlichen Übermut. Meine Mitreisenden überkamen allerdings zeitweise ziemlich heftige Mordgelüste…
Nach Málaga ging es weiter über eine Küstenstraße –was ich leider wieder verschlafen habe- nach Marbella. Dort erwischten wir ausgerechnet die eine Stunde des Tages, in der es regnete, und auch den Strand würde ich hier nicht als bella bezeichnen: der Ruf vom schönen Meer hatte dort leider zur Folge, dass eine ganze Menge Blockhotels aus dem Boden gestampft wurden und nun nicht gerade zur Verschönerung des Stadtbilds beitragen. Das Stadtzentrum haben wir super vorbereiteten Ausflügler ohne Stadtplan leider nicht gefunden, deshalb sind wir gleich weiter zu unserer letzten Station: dem Bergstädtchen Ronda. Die Fahrt dorthin konnte nicht einmal ich verschlafen, weil der unglaubliche Blick über die bergige Landschaft niemanden ein Auge zutun ließ. Ronda selbst ist eine erstaunliche Stadt, die über einen Fluss und am Rande einer Klippe gebaut ein wirklich spektakulärer Anblick ist.
Weil ein Ausflug pro Woche noch nicht genug ist, haben Rainer und ich gestern einen Strandtag in Cádiz eingelegt und sind mit Sonnenbrand und Sand in den Haaren wieder nach Sevilla gekommen.
Alles in allem also eine tolle Sonnenwoche, die allein dadurch getrübt wurde, dass irgendwelche randalierenden A********* mein Fahrrad kaputt gemacht haben, und das noch dazu am anderen Ende der Stadt, was um so blöder ist, weil die Busfahrer sich weigern einen mit Rad mitzunehmen…

Mittwoch, 10. März 2010

Besuchszeit & Frühlingsbeginn

Das Ereignis der Woche lautet: es hat aufgehört zu regnen! Obwohl der Winter noch nicht kampflos aufgeben will und es uns ein wenig kühler macht als angenehm, so ist es doch seit gestern frühlingshaft sonnig geworden – was die mitteleuropäische Haut gleich mit einem Sonnenbrand belohnt, jedenfalls bei Rainer, der seit Sonntag –das zweite Ereignis der Woche- mein Besuch ist.
Die Sonne wirkt auf die Spanier ein bisschen wie starker Espresso: alle rennen auf die Straße und stecken die Hälse in die ersten Frühlingsstrahlen. Aber dass Spanier sich eher ungern innerhalb von Wänden aufhalten wissen wir ja bereits.
Rainer und ich haben die Gunst der Stunde jedenfalls genutzt und sind im üblichen Touristen-Outfit ins Zentrum marschiert und haben von allem Fotos gemacht, was berühmt aussah. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich es immer noch nicht geschafft habe, die Kathedrale zu besichtigen – aber wer kann den ahnen, dass die schon um 17 Uhr schließt?!
Dafür weiß ich seit gestern, dass die Bars der Alameda –an dem Platz wohne ich- zu alternativ sind, um so etwas Triviales wie ein Fußballspiel zu übertragen und wenn doch, dann wird zur Halbzeit der Fernseher ausgeschaltet. Sehr zum Leidwesen mancher fußballbegeisterter Besucher.
Um dem Bild des typischen Erasmus-Studenten gerecht zu werden, wird auch heute wieder fortgegangen und am Wochenende ist ein Trip nach Granada geplant – keine Sekunde Verschnaufspause also zwischen Kirchen und Clubs für mich genussüchtigen, lebenshungrigen Austauschstudenten.

Donnerstag, 4. März 2010

Vom Leben


Nun bin ich schon drei flotte Wochen in Spanien, oder besser gesagt in Andalusien- was wohl wirklich einen Unterschied macht- und es wird Zeit für ein bisschen Nähkästchengeplauder.
Der südlichen Mentalität wird vielleicht vieles nachgesagt, was nicht auf jeden Andalusier zutrifft – aber die Sevillanos wissen ehrlich wie man feiert. Der ganze Tag dreht sich hier, so scheint mir, ums Essen, und zwar in Verbindung mit einem kleinen Bierchen oder einer Wein(schorle), für die es nie zu früh am Tag sein kann. Wirklich abwechslungsreich zu essen ist für einen Vegetarier hier zugegebenermaßen nicht ganz so einfach, trotzdem ist (Tapas)Essen und auf ein Bier gehen meine Hauptbeschäftigung. Es gehört hier einfach zum Tagesablauf, sich Mittags oder Abends oder Mittags und Abends in einer kleinen Bar zu treffen und zu essen und zu trinken. Da ist es nicht ungewöhnlich, dass man gegen Mitternacht noch kleine Kinder zwischen den Bartischchen herumfetzen sieht. In den wenigen Stunden, in denen das Wetter bisher schön war, füllten sich die Straßen in Windeseile mit Menschen, die sich in winzige Gassen zwängten, in der linken Hand das Bier und in der rechten ein paar Tapas für zwischendurch. Es ist dann hier ungefähr so, wie in einem dieser Filme, in denen der Regisseur irre viele gutgelaunte Menschen anschleppt um ein Straßenfest als Kulisse für zwischenmenschliche Dramen zu schaffen. Nur dass hier kein Regisseur den Leuten Bescheid gibt. Glaube ich.
Jeden Tag wenn ich durch die Stadt laufe, bin ich wieder überrascht, wie SCHÖN es hier ist. Man stelle sich jede kopfsteingepflasterte Straße mit Orangenbäumen gesäumt vor –übrigens Zierpflanzen, die man nur essen sollte, wenn man wirklich Hunger hat und hart im Nehmen ist- und überall sind diese wunderbaren kleinen Plätze, die man sonst nur auf Kitschkarten sieht. Außerdem weiß ich nicht, womit die Sevillanos ihre Bäume düngen, aber irgendwie sind die hier alle unglaublich riesig und toll anzusehen – neben den vielen Palmen natürlich, für die ich wieder einmal ein wenig aufrichtigen Neid einheimsen möchte.
Erasmus-Studenten gibt es hier so viele, dass sie irgendwie einfach ignoriert werden von den Einheimischen. Die Leute an der Uni helfen auf Anfrage immer sehr gerne weiter –oder würden gerne, ich verstehe ihren Dialekt leider immer noch kein bisschen, aber na ja, der gute Wille zählt hier denke ich-, aber ansonsten ist es eher unwahrscheinlich, mit Spaniern in Kontakt zu kommen. Ich kann es ihnen nicht verdenken: ich würde auch nicht mit jemandem „reden“ wollen, der immer nur „si“ und „bueno“ sagen kann und nickt und lächelt wenn er etwas nicht versteht. Meine vereinzelten Versuche, auf Englisch auszuweichen trugen auch keine Früchte: wenn hier jemand behauptet, er kann Englisch, dann ist das eine glatte Lüge. Also besser abwinken und drauf beharren, Spanisch zu „sprechen“.
Alles in allem kann ich also langsam verstehen, dass es schwer fällt, Sevilla nach längerer Zeit wieder zu verlassen. Deshalb, rein ins Vergnügen solange es geht!

Montag, 1. März 2010

Citytrip

Wenn Sevilla und Córdoba Geschwister wären, dann sähe das in etwa so aus: Sevilla bekommt andauernd Ärger, weil sie so groß und laut ist, nie weiß wann sie besser die Klappe hält und in der Nacht nie vor 6 Uhr früh nach Hause kommt. Ihre kleine Schwester Cordoba sieht ihr äußerlich recht ähnlich, nur ist sie nicht so üppig und draufgängerisch, sondern geht abends schon mal gern in eine kleine Bar, kommt aber immer brav zum Schlafengehen nach Hause. Córdoba zeigt den Besuchern gerne winzige Gassen und Bars, in denen vielleicht eine Hippie-Truppe eine spontane Performance zeigt, Sevilla dagegen feiert zu spanischen Gesängen und freut sich, wenn alle Menschen um sie herum springen und klatschen und tanzen. Sie lächelt auch ein bisschen spöttisch über die kleine Schwester, die immer allen gefallen will und sogar Speisekarten auf Englisch und Deutsch anbietet. Zu so etwas würde sich die Größere wirklich nicht hinreißen lassen, sie bestellt niemals nach Karte, sondern das, was ihr gerade in den Sinn kommt. Sevilla gibt gern ein bisschen an mit ihrer großen Kathedrale und den vielen Gärten und arabischen Palästen, aber Córdoba kann durchaus auch mit inneren Werten aufwarten. Das Herz hat die kleinere Schwester jedenfalls am richtigen Fleck, nämlich mitten in der Altstadt und es nennt sich Mezquita. Das Bauwerk ist so etwas wie ein Symbol für die Geschichte Córdobas als Tau zwischen christlichen und muslimischen Herrschern: eine riesige Moschee, düster und mit hunderten Säulen und rot-weißen Gewölben, in deren Mitte von einem Christenfürst eine lichtdurchflutete Kathedrale gebaut wurde – purer Wahnsinn.
Am Wochenende hat sich Córdoba jedenfalls von seiner besten Seite gezeigt und wurde nur einmal kurz ein bisschen stürmisch, was aber an sich nicht weiter schlimm war. Als es drei Minuten regnete, haben wir uns einfach unter eine Hochzeitsgesellschaft gemischt und sind mit unseren blonden Haaren und den Stadtplänen in den Händen auch kaum aufgefallen.
Zum Schluss noch eine Entwarnung für alle, die gerne Wetterbericht gucken: ich bin bisher keinem Sturm zum Opfer gefallen und weiß zwar nicht so genau, wo der Orkan tobt, hier jedenfalls nicht. Und so leicht, dass mich ein bisschen Wind davon wehen könnte, bin ich nun auch wieder nicht. Um sicherzugehen habe ich heute aber erstmal traditionelle Churros (frittierter Teig mit Schokolade) gegessen und werde abends noch ein paar Tapas drauflegen.

Freitag, 26. Februar 2010

Wie ist der Plan?

Das Leben rollt und rollt und rollt. Ich weiß nicht, was hier anders ist; vielleicht, dass alles irgendwie langsamer läuft, die Fußgänger auf den Straßen, die Kassiererinnen in den Geschäften und der Tagesablauf an sich. Nachmittag geht hier bis 20 Uhr, weil nach Mittag erst einmal die Siesta kommt, die so konsequent eingehalten wird, als ob die Stadt unter unerträglichen 50Grad im Schatten leiden würde. Und es ist nicht nur alles langsamer, sondern auch ohne Plan oder Konzept. Sehr schwere Zeiten sind das hier für einen Mitteleuropäer…Um nicht alles Vertraute zu verlieren sind wir heute zu Ikea gefahren und Billy & Co sehen auch dort aus wie zu Hause. Da ich aber nicht nur gerne schwedische Möbel besichtige, sondern ein vielseitig interessierter Austauschstudent bin, wird morgen ein Kurztrip nach Cordoba gestartet, der sich deshalb sehr gut anbietet weil Montag frei ist. Sonntag ist nämlich ein Feiertag, und es ist wirklich gemein, wenn ein Feiertag auf einen Sonntag fällt, wurde mit erklärt. Dem wird in Spanien also schnell Abhilfe verschafft – genau, indem Montag frei ist!
Berichte zum Wochenende folgen dann, wenn ich Zeit habe!

Mittwoch, 24. Februar 2010

Sturmhöhe


Das Wetter verdient langsam den Titel ‚frühlingshaft’ und leider wirkt sich das umgekehrt proportional auf die Häufigkeit meiner Blogs aus…Sorry! Jetzt aber endlich der Rückblick auf ein Wochenende spanischer Art am südwestlichsten Ende des Landes:
Ich bekam die Gastfreundschaft der Spanier voll zu spüren, als uns Freunde von Nici -ohne mich zu kennen- in ihr Haus einluden um mit ihnen Carneval zu feiern. Da ließen wir uns mal nicht lange bitten und saßen schwup mit Sack und Pack auf der Rückbank ihres Autos. Carneval ist in Cádiz annähernd so wichtig wie in Rio de Janeiro muss man wissen und lässt sich deshalb auch nicht von so unbedeutenden Dingen wie dem Beginn der Fastenzeit unterbrechen. Eiseskälte und Sturzbäche vom Himmel haben aber für etwas weniger nackte Haut gesorgt, als das vielleicht in Rio der Fall ist, doch die Feierstimmung lässt sich der Spanier auch vom Wetter nicht trüben. Und die Röcke der Mädchen sind ja trotzdem noch kurz genug um jedem Mitteleuropäer ein „Achdumeinegüte“ zu entlocken.
Carneval bedeutet vor allem eines: Botellón. Das bedeutet, jeder zwischen 14 und 75 hortet Schnapsflaschen, Cola und Eis –lieber würden sie erfrieren als auf Eis im Glas zu verzichten!- und pilgert mit Tüten in den Händen in die pittoreske Altstadt von Cádiz. Und dort wird gesoffen –pardon, getrunken, was das Zeug hält. Die erste und einzige Regel die mir beigebracht wurde: es gibt keine Regeln. Leider machte ich am ersten Abend doch die Erfahrung mit einer Regel: spanische Faschingsgesellschaften sind ohne einen sehr hohen Alkoholpegel ebenso wenig zu ertragen wie deutsche… Aber aus Fehlern lernt man, und da am ersten Abend sowieso nur ein wenig hineingeschnuppert wurde und wir schon um 6 Uhr früh wieder zu Hause waren (haha), konnten wir Ausländer unsere Talente in der nächsten Nacht zeigen. Um eine angemessene Basis zu schaffen, wurde zuerst in einer Bar zu Abend gegessen –gegen Mitternacht, versteht sich. Sehr amüsant war wurde es, als ich ein vegetarisches Gericht bestellen wollte. Unser ganzer Tisch versuchte etwas für mich zu essen aufzutreiben, wobei die Vorstellungen davon, was kein Fleisch ist, sehr weit auseinander gehen – Schinken wird einem Vegetarier hier zum Beispiel getrost angeboten, weil es in Andalusien eher so etwas wie ein Grundnahrungsmittel ist. Ich bekam schließlich ein Kilo Knoblauchmayonnaise mit Kartoffelstücken drin und erntete verstörte Blicke, als mein mitteleuropäischer Magen nicht einmal die Hälfte schaffte. Als wir uns dann gerade in der herrlichsten Cola-Rum-mit-Eis-Laune in den Armen lagen und durch die Straßen wandernd spanische Volkslieder und „Einst ging ich am Strande der Donau entlang“ sangen, da kam ein Sturm auf, der jedem Hollywoodregisseur Freudentränen in die Augen getrieben hätte. Die Palmen knickten fast und das Wort gießen ist eine Untertreibung für diesen Fluss, der vom Himmel fiel. Mein Schirm hat das Ganze nicht überlebt, ich schon, obwohl wir vier Stunden unter einem Vorsprung kauerten, wo es nicht so stark regnete –ja, entschlossen an Probleme heranzugehen ist nicht gerade des Spaniers größte Stärke.
Obwohl das Wetter also ernsthaft gegen uns war, hatten wir ein tolles Wochenende, an dem ich viele nette Menschen und den Strand des Atlantik kennen lernte. Außerdem entpuppte sich unsere Übernachtungsmöglichkeit als andalusicher Palast und statt einer Isomatte am Boden gab es für jeden ein eigenes Zimmer und für den Vegetarier Salat zum Frühstück. Und ein bisschen stolz bin ich auch, dass ich ein Wochenende überstanden habe, an dem ich nur mit Spaniern reden konnte – und zwar Spanisch!
PS: Es gibt mittlerweile die ersten Bilder auf Facebook!

Freitag, 19. Februar 2010

PS

Nach ausführlicher Studie kann ich alle Vorurteile gegenüber Erasmus-Partys bestätigen. Mit der Einschränkung, dass nicht alle betrunken sind (trotzdem: Bier und Wein 1 Euro lädt schon ein…) und mit der Erweiterung, dass die aufreißwütigen Spanier alle schleimig sind.
Heute geht es los übers Wochenende nach Cádiz zum Carneval mit Nici und deren Freunden. Berichte über die spanische Faschingsgesellschaft folgen!

Mittwoch, 17. Februar 2010

Das Wandern ist des Müllers Lust….

Wenn man zu Fuß unterwegs ist, dann soll man immer ein fröhliches Lied auf den Lippen haben, das macht das Leben einfacher und hässliche Sachen schöner. Wenn ich das aber täte, dann wären meine Lippen mittlerweile dick geschwollen. Gehen ist hier nämlich das Fortbewegungsmittel Nummer eins, jedenfalls für all diejenigen, die Beine haben und nicht auswendig wissen, wo welche Busse abfahren und hinfahren (und zu denen zähle ich leidergottes). Buspläne gibt es hier nämlich ebenso wenig wie feste Haltestellen. Man ist also gut beraten, vorsorglich an der Haltestelle mit dem Armen zu wedeln, um den Busfahrer dazu zu bringen, einen Stopp einzulegen…(das erste Vorurteil zu Spanien ist hiermit bestätigt!)
Dennoch habe ich es geschafft, zu meinem Institut zu gelangen - nach einer anderen kleinen Odyssee, selbstverständlich. Zur Uni an sich kann ich leider noch nicht sehr viel sagen, weil 3 von meinen Kursen bisher ausfielen weil der Professor sich entschlossen hat, nicht zum Unterricht zu kommen. Doch die anderen Professoren sind sehr nett, glaube ich zumindest, weil ich sie nicht verstehe. Es ist immer sehr witzig: ich sitze ganz vorne in der unbesiegbaren Hoffnung auf ein Wort, das ich kenne und verstehe. Dann sehe ich mich um und beobachte meine Kommilitonen: in den ersten 3 Reihen sitzen meistens ein paar vereinzelte Studentinnen, die ab und an verwirrte und bisweilen verzweifelte Blicke in die Runde werfen. Das sind die anderen Erasmus-Studenten. Wenn ich ganz sicher gehen will, muss ich nur warten, bis der Professor einen Witz macht. Wer dann nicht lacht, der versteht genauso wenig wie ich und ist Austausch-Student. Somit fungiert meine Uni als 1a Kontaktbörse.
Ich besitze nun ein Fahrrad. Nici hat es mir vererbt und es sieht klasse aus und hat zwei große Schlösser. Leider funktionieren die Bremsen nicht und die Luft hält nicht in den Reifen. Habe eben versucht sie nach Papas Abweisungen aufzupumpen. Jetzt ist gar keine Luft mehr in den Reifen… Merke: zur Werkstatt fahren sobald ich weiß was „Bremse“ und „Schlauch“ heißt.
Heute geht es voraussichtlich noch auf die Erasmusparty nummero uno. Darüber habe ich bisher folgende Hypothesen aufgeschnappt: 1. Dort sind Erasmus-Studenten (na, klingt logisch). 2. Die Meisten sind dort betrunken. 3. Man kann dort gut Kontakte zu anderen Erasmus-Studenten knüpfen (siehe 1.&2.). 4. Spanien gehen dort hin, um sich Mädls aufzureißen, deren Lieblingssatz wie mein eigener lautet: „Lo siento, no entiendo“ (tut mir leid, ich versteh nichts). Ich werde die Behauptungen heute empirisch überprüfen und euch die Ergebnisse mitteilen.
Ach ja. Fotos gibt’s erst, wenn hier die Sonne scheint. Basta.

Sonntag, 14. Februar 2010

Suchen & Finden

Meine anfängliche Sommer-Euphorie hat sich schnell verabschiedet und ist ernüchtert bei der Frage stehen geblieben, warum zur Hölle ich keine Winterschuhe mitgenommen habe. Nach einem Tag wie er grässlicher nicht sein konnte mit Dauerregen und Eiseskälte war es zwar gestern besser, doch ich laufe immer noch herum wie eine Zwiebel und meine Füße sind seit Donnerstag Abend kalt und meistens auch nass.

So, genug gejammert. Es gibt auch viel Positives zu berichten.

Nach zwei Tagen nervenaufreibender Suche und der Bestaunung einiger freakiger Wohnungen oder Freaks in den Wohnungen, hab ich endlich ein Zimmer gefunden. Es ist super-zentral und das Haus ist wunderschön, Altbau und neu renoviert, mit Dachterrasse und Pflanzen und Fliesen und einfach SPANISCH. Ich wohne mit einer Dolmetscherin zusammen, die perfekt Deutsch spricht (jippee) und mein Zimmer hat den Nachteil, dass es im Erdgeschoss ist und jeder, der in der kleinen Gasse davor vorbei marschiert, mit einem schnellen Blick durchs Fenster abchecken kann, was ich denn gerade so mache =)

Zwischen Regen und Wohnungssuche ist mir natürlich auch noch Zeit geblieben, ein wenig ins Nachtleben hinein zu schnuppern. Wir waren –was sonst?- Tapas essen und danach in einer Bar, in der Flamenco getanzt wurde, was sich als absurder, aber nichtsdestoweniger interessanter Stampf-Klatsch-Tanz einer Frau mit furchtbar leidendem Gesichtsausdruck entpuppt hat. Weil halb eins in Spanien noch viel zu früh (!) ist, um in eine Disco zu gehen, ging es danach wieder in eine Bar und erst danach in einen Club. Diesen Ablauf stelle ich jetzt mal als Prototyp der spanischen Vorstellung von Abendgestaltung in die Runde und werde mich nach Kräften bemühen, diese Behauptung zu überprüfen!

Ach ja, und morgen beginnt auch die Uni. Bericht folgt!

Donnerstag, 11. Februar 2010

Von Schneebergen und Ankünften

Die Finger sind mir schon ein wenig am Koffergriff festgefroren, als ich mich in München in einer märchenbuchhaften Schneelandschaft auf dem Weg gemacht habe. Da waren mir die weißen Wolkenberge dann schon lieber, durch die das Flugzeug geschlüpft ist. Das schöne am über-den-Wolken-Fliegen ist doch, dass da droben immer die Sonne scheint. Noch schöner ist es allerdings, wenn man runter kommt und die Sonne ist immer noch da. Und so war es.

Ich dachte noch: Hätte ich vielleicht doch den Wintermantel anziehen sollen…? Und dann sah ich Palmen, Sonne und braunes Gras. Es hatte heute 19 Grad –sagt die Anzeige in der Stadt- und meine erste Aktion war eine Parkbank aufzusuchen und mein KinderCountry mit den Spatzen zu teilen. Hier ist nicht Winter!!!

Leider trifft das nur auf Draußen zu. In den Häusern ist sehr wohl Winter. Da in Andalusien Heizungen als überbewertet angesehen wercden, verzichtet man darauf und friert sich halt ein paar Wochen im Jahr die Hinterbacken ab. Die liebe Nici hat sich aber um mein heizungsverwöhntes Gemüt gesorgt und mir gleich 3 Decken übergeworfen. Danke!

Heute bin ich zu geschafft, um noch auf erste Streifzüge zu gehen. Morgen steht an erster Stelle Einschreibung an der Uni, gefolgt von Wohnungssuche (mit Heizung!) und, ach ja, das nächtliche Sevilla entdecken.

Viele Grüße nach Winter-Deutschland!

Mittwoch, 10. Februar 2010

Aller Anfang ist schwer…

Was für ein dummer Spruch. Und nicht einmal wahr. Wann war es bitte jemals schwer, das erste Stück Schokolade zu essen? Oder das Weintrinken anzufangen? Meistens ist der Anfang noch das Einfachste an der ganzen Geschichte – kompliziert wird’s oft erst, wenns ans Aufhören geht…

Deshalb verabschiede ich mich vom Fleck weg von oben stehendem Spruch und stelle fest: Aller Anfang ist leicht.

Mal sehen, ob mich das Leben eines Besseren belehrt. Morgen früh –genauer gesagt: zu einer wirklich unmenschlichen Zeit irgendwann zwischen Nacht und Morgengrauen- geht es nämlich los für mich: nach Sevilla!

Und damit keiner von euch ein halbes Jahr ohne mich auskommen muss, voilà ein BLOG, brandneu und wie aus dem Ei gepellt. Damit niemand im Nachhinein behaupten kann, er hätte mich vergessen =)