Wenn Sevilla und Córdoba Geschwister wären, dann sähe das in etwa so aus: Sevilla bekommt andauernd Ärger, weil sie so groß und laut ist, nie weiß wann sie besser die Klappe hält und in der Nacht nie vor 6 Uhr früh nach Hause kommt. Ihre kleine Schwester Cordoba sieht ihr äußerlich recht ähnlich, nur ist sie nicht so üppig und draufgängerisch, sondern geht abends schon mal gern in eine kleine Bar, kommt aber immer brav zum Schlafengehen nach Hause. Córdoba zeigt den Besuchern gerne winzige Gassen und Bars, in denen vielleicht eine Hippie-Truppe eine spontane Performance zeigt, Sevilla dagegen feiert zu spanischen Gesängen und freut sich, wenn alle Menschen um sie herum springen und klatschen und tanzen. Sie lächelt auch ein bisschen spöttisch über die kleine Schwester, die immer allen gefallen will und sogar Speisekarten auf Englisch und Deutsch anbietet. Zu so etwas würde sich die Größere wirklich nicht hinreißen lassen, sie bestellt niemals nach Karte, sondern das, was ihr gerade in den Sinn kommt. Sevilla gibt gern ein bisschen an mit ihrer großen Kathedrale und den vielen Gärten und arabischen Palästen, aber Córdoba kann durchaus auch mit inneren Werten aufwarten. Das Herz hat die kleinere Schwester jedenfalls am richtigen Fleck, nämlich mitten in der Altstadt und es nennt sich Mezquita. Das Bauwerk ist so etwas wie ein Symbol für die Geschichte Córdobas als Tau zwischen christlichen und muslimischen Herrschern: eine riesige Moschee, düster und mit hunderten Säulen und rot-weißen Gewölben, in deren Mitte von einem Christenfürst eine lichtdurchflutete Kathedrale gebaut wurde – purer Wahnsinn.
Am Wochenende hat sich Córdoba jedenfalls von seiner besten Seite gezeigt und wurde nur einmal kurz ein bisschen stürmisch, was aber an sich nicht weiter schlimm war. Als es drei Minuten regnete, haben wir uns einfach unter eine Hochzeitsgesellschaft gemischt und sind mit unseren blonden Haaren und den Stadtplänen in den Händen auch kaum aufgefallen.
Zum Schluss noch eine Entwarnung für alle, die gerne Wetterbericht gucken: ich bin bisher keinem Sturm zum Opfer gefallen und weiß zwar nicht so genau, wo der Orkan tobt, hier jedenfalls nicht. Und so leicht, dass mich ein bisschen Wind davon wehen könnte, bin ich nun auch wieder nicht. Um sicherzugehen habe ich heute aber erstmal traditionelle Churros (frittierter Teig mit Schokolade) gegessen und werde abends noch ein paar Tapas drauflegen.
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