Mittwoch, 24. Februar 2010

Sturmhöhe


Das Wetter verdient langsam den Titel ‚frühlingshaft’ und leider wirkt sich das umgekehrt proportional auf die Häufigkeit meiner Blogs aus…Sorry! Jetzt aber endlich der Rückblick auf ein Wochenende spanischer Art am südwestlichsten Ende des Landes:
Ich bekam die Gastfreundschaft der Spanier voll zu spüren, als uns Freunde von Nici -ohne mich zu kennen- in ihr Haus einluden um mit ihnen Carneval zu feiern. Da ließen wir uns mal nicht lange bitten und saßen schwup mit Sack und Pack auf der Rückbank ihres Autos. Carneval ist in Cádiz annähernd so wichtig wie in Rio de Janeiro muss man wissen und lässt sich deshalb auch nicht von so unbedeutenden Dingen wie dem Beginn der Fastenzeit unterbrechen. Eiseskälte und Sturzbäche vom Himmel haben aber für etwas weniger nackte Haut gesorgt, als das vielleicht in Rio der Fall ist, doch die Feierstimmung lässt sich der Spanier auch vom Wetter nicht trüben. Und die Röcke der Mädchen sind ja trotzdem noch kurz genug um jedem Mitteleuropäer ein „Achdumeinegüte“ zu entlocken.
Carneval bedeutet vor allem eines: Botellón. Das bedeutet, jeder zwischen 14 und 75 hortet Schnapsflaschen, Cola und Eis –lieber würden sie erfrieren als auf Eis im Glas zu verzichten!- und pilgert mit Tüten in den Händen in die pittoreske Altstadt von Cádiz. Und dort wird gesoffen –pardon, getrunken, was das Zeug hält. Die erste und einzige Regel die mir beigebracht wurde: es gibt keine Regeln. Leider machte ich am ersten Abend doch die Erfahrung mit einer Regel: spanische Faschingsgesellschaften sind ohne einen sehr hohen Alkoholpegel ebenso wenig zu ertragen wie deutsche… Aber aus Fehlern lernt man, und da am ersten Abend sowieso nur ein wenig hineingeschnuppert wurde und wir schon um 6 Uhr früh wieder zu Hause waren (haha), konnten wir Ausländer unsere Talente in der nächsten Nacht zeigen. Um eine angemessene Basis zu schaffen, wurde zuerst in einer Bar zu Abend gegessen –gegen Mitternacht, versteht sich. Sehr amüsant war wurde es, als ich ein vegetarisches Gericht bestellen wollte. Unser ganzer Tisch versuchte etwas für mich zu essen aufzutreiben, wobei die Vorstellungen davon, was kein Fleisch ist, sehr weit auseinander gehen – Schinken wird einem Vegetarier hier zum Beispiel getrost angeboten, weil es in Andalusien eher so etwas wie ein Grundnahrungsmittel ist. Ich bekam schließlich ein Kilo Knoblauchmayonnaise mit Kartoffelstücken drin und erntete verstörte Blicke, als mein mitteleuropäischer Magen nicht einmal die Hälfte schaffte. Als wir uns dann gerade in der herrlichsten Cola-Rum-mit-Eis-Laune in den Armen lagen und durch die Straßen wandernd spanische Volkslieder und „Einst ging ich am Strande der Donau entlang“ sangen, da kam ein Sturm auf, der jedem Hollywoodregisseur Freudentränen in die Augen getrieben hätte. Die Palmen knickten fast und das Wort gießen ist eine Untertreibung für diesen Fluss, der vom Himmel fiel. Mein Schirm hat das Ganze nicht überlebt, ich schon, obwohl wir vier Stunden unter einem Vorsprung kauerten, wo es nicht so stark regnete –ja, entschlossen an Probleme heranzugehen ist nicht gerade des Spaniers größte Stärke.
Obwohl das Wetter also ernsthaft gegen uns war, hatten wir ein tolles Wochenende, an dem ich viele nette Menschen und den Strand des Atlantik kennen lernte. Außerdem entpuppte sich unsere Übernachtungsmöglichkeit als andalusicher Palast und statt einer Isomatte am Boden gab es für jeden ein eigenes Zimmer und für den Vegetarier Salat zum Frühstück. Und ein bisschen stolz bin ich auch, dass ich ein Wochenende überstanden habe, an dem ich nur mit Spaniern reden konnte – und zwar Spanisch!
PS: Es gibt mittlerweile die ersten Bilder auf Facebook!

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