Donnerstag, 4. März 2010

Vom Leben


Nun bin ich schon drei flotte Wochen in Spanien, oder besser gesagt in Andalusien- was wohl wirklich einen Unterschied macht- und es wird Zeit für ein bisschen Nähkästchengeplauder.
Der südlichen Mentalität wird vielleicht vieles nachgesagt, was nicht auf jeden Andalusier zutrifft – aber die Sevillanos wissen ehrlich wie man feiert. Der ganze Tag dreht sich hier, so scheint mir, ums Essen, und zwar in Verbindung mit einem kleinen Bierchen oder einer Wein(schorle), für die es nie zu früh am Tag sein kann. Wirklich abwechslungsreich zu essen ist für einen Vegetarier hier zugegebenermaßen nicht ganz so einfach, trotzdem ist (Tapas)Essen und auf ein Bier gehen meine Hauptbeschäftigung. Es gehört hier einfach zum Tagesablauf, sich Mittags oder Abends oder Mittags und Abends in einer kleinen Bar zu treffen und zu essen und zu trinken. Da ist es nicht ungewöhnlich, dass man gegen Mitternacht noch kleine Kinder zwischen den Bartischchen herumfetzen sieht. In den wenigen Stunden, in denen das Wetter bisher schön war, füllten sich die Straßen in Windeseile mit Menschen, die sich in winzige Gassen zwängten, in der linken Hand das Bier und in der rechten ein paar Tapas für zwischendurch. Es ist dann hier ungefähr so, wie in einem dieser Filme, in denen der Regisseur irre viele gutgelaunte Menschen anschleppt um ein Straßenfest als Kulisse für zwischenmenschliche Dramen zu schaffen. Nur dass hier kein Regisseur den Leuten Bescheid gibt. Glaube ich.
Jeden Tag wenn ich durch die Stadt laufe, bin ich wieder überrascht, wie SCHÖN es hier ist. Man stelle sich jede kopfsteingepflasterte Straße mit Orangenbäumen gesäumt vor –übrigens Zierpflanzen, die man nur essen sollte, wenn man wirklich Hunger hat und hart im Nehmen ist- und überall sind diese wunderbaren kleinen Plätze, die man sonst nur auf Kitschkarten sieht. Außerdem weiß ich nicht, womit die Sevillanos ihre Bäume düngen, aber irgendwie sind die hier alle unglaublich riesig und toll anzusehen – neben den vielen Palmen natürlich, für die ich wieder einmal ein wenig aufrichtigen Neid einheimsen möchte.
Erasmus-Studenten gibt es hier so viele, dass sie irgendwie einfach ignoriert werden von den Einheimischen. Die Leute an der Uni helfen auf Anfrage immer sehr gerne weiter –oder würden gerne, ich verstehe ihren Dialekt leider immer noch kein bisschen, aber na ja, der gute Wille zählt hier denke ich-, aber ansonsten ist es eher unwahrscheinlich, mit Spaniern in Kontakt zu kommen. Ich kann es ihnen nicht verdenken: ich würde auch nicht mit jemandem „reden“ wollen, der immer nur „si“ und „bueno“ sagen kann und nickt und lächelt wenn er etwas nicht versteht. Meine vereinzelten Versuche, auf Englisch auszuweichen trugen auch keine Früchte: wenn hier jemand behauptet, er kann Englisch, dann ist das eine glatte Lüge. Also besser abwinken und drauf beharren, Spanisch zu „sprechen“.
Alles in allem kann ich also langsam verstehen, dass es schwer fällt, Sevilla nach längerer Zeit wieder zu verlassen. Deshalb, rein ins Vergnügen solange es geht!

1 Kommentar:

  1. boah tina hört sich so toll an. bin so neidisch... wünsch dir noch ganz viel spass :)

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