Weil man nur einmal im Leben Erasmus ist und deshalb das Glas immer bis auf den letzten Tropfen austrinken sollte, haben wir zwischen den Prüfungen drei Tage Madrid eingeschoben. Soll heißen: 7 Mädls, ein erstaunlich komfortabler Nachtbus und leider kein Reiseführer, sondern nur die eigene Faust. Also versuchten wir, in die wenigen Tage so viel Madrid wir nur möglich zu pressen und das ganze im Stück zu schlucken – ist aber gar nicht so einfach bei einer Stadt, die so groß, so bunt und so unheimlich lebhaft ist. Neben dem üblichen Touri-Programm –das wir natürlich mit Fotoapparat und Stadtplan bewaffnet durchgezogen haben- hat Madrid nämlich wirklich noch viel mehr zu bieten. Die Häuser sind nicht alle so hübsch und fein rausgeputzt wie in Sevilla, aber das macht nichts, weil man von den ganzen verschiedenen Menschen auf der Straße zu abgelenkt ist, um nach oben zu schauen. Und auch das Sightseeing an sich war nicht so spannend wie erwartet. Das Seltsame ist, dass all diese kleinen, gar nicht so besonderen Teile zusammen ein erstaunliches Gesamtes ergeben, eine tolle Stadt, bei der ich gleich Lust bekommen hatte, dort zu wohnen. Aber nein, natürlich ist nicht alles Sightseeing unspektakulär gewesen: einen Tag (und wirklich nahezu den ganzen Tag) verbrachten wir im Prado-Museum, sozusagen einem Mekka aller, die gerne auf alte Leinwände in riesigen Rahmen starren. Dieses Museum ist wirklich beeindruckend, man sieht all die großen Namen, die man schon so oft gehört hat und immer noch nicht zuordnen kann, und natürlich ist es überaus praktisch, wenn man zufällig eine Kunstgeschichte-Studentin zur Hand hat (yeah!). Trotz oder wegen schmerzender Füße, mexikanischem Essen, verwirrenden Schmuckverkäufern, Museen, spanischem Essen, Urwäldern in Bahnhöfen, aufdringlichen Männern und indischem Essen hat sich Madrid also als sehr liebenswerte Stadt entpuppt.
Danach ging der Ernst des Leben –oder was davon in la vida erasmus übrig geblieben ist- allerdings wieder los und ich musste meine Prüfungen hinter mich bringen. Nun ja, sagen wir, hinter mich gebracht hab ich sie.
So, und nun die letzte Woche, und ich mache das einzig Sinnvolle: essen, shoppen und feiern gehen.
Samstag, 26. Juni 2010
Dienstag, 15. Juni 2010
Schlaaaaaaaaand!!!
Wie im Rest der großen weiten Welt ist auch in Sevilla das WM-Fieber ausgebrochen. Leider hat man hier von Public-Viewing im eigentlichen Sinne (also, in freier Wildbahn mit Leinwand und zu teuerem Bier in Plastikbechern) noch nie etwas gehört; wir mussten uns also eine Lieblings-WM-Bar suchen, was aber auch ok ist: es gibt dort Pommes, Bier und einige Fernseher, und der Kellner kennt uns mittlerweile auch schon.
Ich frage mich gerade schon in ängstlicher Erwartung, was auf den Straßen wohl morgen nach dem Spanien-Spiel los sein wird… die Spanier haben nämlich schon ohne Anlass die nervtötende Angewohnheit, laut und durchgehend zu hupen. Ein besonders umsichtiges Exemplar eines Anwohners fängt beispielsweise jede Nacht um 12 Uhr–nachdem er eine halbe Stunde bei laufendem Motor in seinem Auto vor meinem Fenster gesessen hat- zu hupen an. Und zwar so lange, bis der, auf den er wartet, endlich aus dem Haus kommt- und der andere schient eher eine gemütliche Natur zu sein…Na ja, man gewöhnt sich an Vieles und ich gehe jetzt immer erst nach 12 schlafen. Pünktlich um halb 1 kommt zwar die Müllabfuhr und macht ohrenbetäubenden Lärm, aber man kann ja nicht alles haben.
So, dann noch eine Geschichte zur aufopferungsvollen Hilfsbereitschaft junger Menschen: ich hatte letztens meinen Freund und Helfer, mein Radl, in der Nähe von ein paar Bars abgestellt und musste beim Losfahren bemerken, dass der Lenker und das Blech total verbogen waren. Mein pessimistisches Ich wollte gleich anfangen, über randalierende Spanier zu zetern, als mein praktisches Ich alles wieder gerade bog und feststellte, dass plötzlich die Bremsen funktionierten! Na ja, und als der Optimist, der ich nun mal bin, gehe ich jetzt einmal davon aus, dass jemand netterweise meine Bremsen repariert hat und dabei vielleicht aus Versehen den Rest des Rads ein bisschen demoliert hat =)
Morgen in der Nacht geht es mit dem Bus nach Madrid, der letzte Ausflug in Spanien. Ich freu mich schon darauf, wie es ist, „echtes“ Spanisch zu hören!
Ich frage mich gerade schon in ängstlicher Erwartung, was auf den Straßen wohl morgen nach dem Spanien-Spiel los sein wird… die Spanier haben nämlich schon ohne Anlass die nervtötende Angewohnheit, laut und durchgehend zu hupen. Ein besonders umsichtiges Exemplar eines Anwohners fängt beispielsweise jede Nacht um 12 Uhr–nachdem er eine halbe Stunde bei laufendem Motor in seinem Auto vor meinem Fenster gesessen hat- zu hupen an. Und zwar so lange, bis der, auf den er wartet, endlich aus dem Haus kommt- und der andere schient eher eine gemütliche Natur zu sein…Na ja, man gewöhnt sich an Vieles und ich gehe jetzt immer erst nach 12 schlafen. Pünktlich um halb 1 kommt zwar die Müllabfuhr und macht ohrenbetäubenden Lärm, aber man kann ja nicht alles haben.
So, dann noch eine Geschichte zur aufopferungsvollen Hilfsbereitschaft junger Menschen: ich hatte letztens meinen Freund und Helfer, mein Radl, in der Nähe von ein paar Bars abgestellt und musste beim Losfahren bemerken, dass der Lenker und das Blech total verbogen waren. Mein pessimistisches Ich wollte gleich anfangen, über randalierende Spanier zu zetern, als mein praktisches Ich alles wieder gerade bog und feststellte, dass plötzlich die Bremsen funktionierten! Na ja, und als der Optimist, der ich nun mal bin, gehe ich jetzt einmal davon aus, dass jemand netterweise meine Bremsen repariert hat und dabei vielleicht aus Versehen den Rest des Rads ein bisschen demoliert hat =)
Morgen in der Nacht geht es mit dem Bus nach Madrid, der letzte Ausflug in Spanien. Ich freu mich schon darauf, wie es ist, „echtes“ Spanisch zu hören!
Sonntag, 6. Juni 2010
Heimatbesuch & Gute Zeiten
Die Familie hat es schließlich doch geschafft, mich in der Ferne zu besuchen und ist mit Verspätung und ohne restliche Nerven bei mir angekommen. Meine Vorbereitungen bestanden aus einigen Stunden putzen (um dem zentraleuropäischen Sauberkeitsempfinden entgegen zu kommen) und einem Kühlschrank voller Käse.
Zwei Tage lang holte ich dann mein Handfähnchen und das beste Touristen-Outfit heraus, um der Familie möglichst viele Seiten von Sevilla zu zeigen. Die Schwester zeigte sich sehr angetan von den Geschäften und meiner Kreditkarte, die Mama von den Tapas und dem Papa gefiel am Meisten, dass es hier schon zu Mittags ein Bier gibt. Einen Tag fuhren wir zur Abwechslung ins Bergstädchen Ronda und einen weiteren an einen wunderbaren, versteckten Strand an den Atlantik, was uns vor der unglaublichen Hitze mit Saharawind rettete, die in diesen Tagen Sevilla lahmlegte. Mittlerweile hat sich die Sauna-Temperatur wieder –für hiesige Verhältnisse- normalisiert, aber die Familie war dann fast froh, dass sie wieder ins regnerische Deutschland zurück ‚durfte’.
Und so bin ich wieder alleine – wobei ich hier natürlich nie alleine bin- und tu, was ich immer mache: Freunde treffen, Strandausflüge machen, Fortgehen und mich auch ab und zu freuen, dass sich mein Spanisch dann doch ein Stück verbessert hat. Also, von Level 0 auf 3 oder so =)
Langsam schleicht sich aber auch ein wenig Abschieds-Denken ein. Die ersten Freunde treten schon die Heimreise zurück in das reale Leben an, und ich kann immer noch nicht glauben, dass schon 4 Monate vergangen sein sollen… Aber um dem ganzen auch etwas Gutes abzugewinnen: Abschiede sind die perfekte Gelegenheit richtig feine Feste zu feiern!!
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