Sonntag, 25. April 2010

Feria de abril


In diesen Tagen ist es sehr ruhig vor meinem Fenster im Erdgeschoss, vor dem schon mal in der Nacht die eine oder andere Party steigt. Der Grund dafür ist, dass die vergangene Woche die Feria de abril auf der anderen Seite des Flusses stattgefunden hat, was nicht nur überhöhte Taxipreise und den Einfall von Touristen zur Folge hatte, sondern auch nächtliche Ruhe im Zentrum – wo ich wohne!
Die Feria ist schon eine tolle Sache: hunderte Zelte werden auf dem Festplatz aufgestellt, Fahrgeschäfte, Futterstellen für die Massen, nachmittags arbeitet diese Woche niemand und die Studenten bekommen gleich ganz frei um zu feiern. Jung und Alt wirft sich in seine bunten Flamencokleider oder sonst irgendwie in Schale, die Männer holen ihre Anzüge raus und alle tanzen, tanzen, tanzen die ganze Nacht. Die Zelte der Feria sind nahezu alle privat und in den öffentlichen alle betrunken. Wenn man aber das Glück hat, jemanden zu kennen, der jemanden kennt, der in ein Zelt hinein darf (Yessss!), dann bekommt man eine Liveband zu sehen und Sevillaner von 3 bis 100 Jahren, die miteinander Sevillanas tanzen. Das ist ein toller Paartanz, der aber zu schwierig ausgesehen hat als dass ich ihn lernen wollte. Es ist immer wieder erstaunlich, dieser „Feier-Mentalität“ der Sevillaner zu sehen: ganz egal welche Figur oder welches Alter, jede Frau zieht sich ein todschickes –und hautenges- Flamencokleid an und schnappt sich einen Mann –egal welche Figur oder welches Alter- und tanzt! Um es ein wenig anschaulicher zu machen: stellt euch mal eure Oma vor, die schon gut beschwipst von Sherry mit Sprite im gepunkteten Voilant-Kleid mit einem 30 Jahre jüngeren Tanzpartner die jungen Mädls an die Wand tanzt. Das klingt doch ehrlich nach Feier-Mentalität.
Heute endet die Feria mit einem großen Feuerwerk, was manche Sevillaner wahrscheinlich sehr betrübt werden lässt. Und für mich erstmal das Ende erholsamer Nächte bedeutet =)

"Erleuchten" der Feria als Startschuss:
http://www.youtube.com/watch?v=tNUSEZTIDtY&feature=PlayList&p=3BCFE9AF9C15F21D&playnext_from=PL&index=0&playnext=1

Donnerstag, 22. April 2010

Zeitreisen und Vulkanausbrüche


Dass man bei einer Reise nach Marrakesch zwei Stunden geschenkt bekommt und somit um 10.00h wegfliegen und um 9.20h ankommen kann hat unsere kleine Reisegruppe gleich begeistert. Dass das Raum-Zeit-Gleichgewicht für unbedachte Zeitreisen jedoch offenbar einen Preis verlangt, das erfuhren wir erst nach drei Tagen in der Stadt des Chaos.
Wenn ich nur ein Wort hätte, dann würde ich Marrakesch als absurd beschreiben. Absurd schmutzig auf den ersten Blick, absurd orientierungslos auf den zweiten und absurd spannend auf den dritten. Wer schöne Paläste oder überhaupt Schönheit im herkömmlichen Sinn erwartet, der wird bitter enttäuscht seine sieben Sachen packen und wieder ins aufgeräumte Europa zurückkehren müssen. Dafür bekommt in all dem wirren Gedrängel eine völlig neue Welt zu sehen, wer die Augen schön weit offen hält. Das unüberschaubare Labyrinth des Bazars zieht natürlich vor allem uns glitzer-klimper-kaufsüchtige Mädls an, aber auch untreuegefährdete Freunde teurer Marken kommen voll auf ihre Kosten: Chanel, Louis Vuitton, Converse, Ray Ban und so weiter und so fort und das alles sehr original und zu einem good price, wenn man den Händlern trauen darf (das darf man aber nicht). Nach 3 Tagen sind wir jedenfalls so geübt im Preise aushandeln, dass wir zum Flughafen die Hälfte weniger zahlen als bei der Hinfahrt. Doch nach der Taxifahrt –zu Siebt im 5-Sitzer, ist doch selbstverständlich- vergeht uns aber das Lachen recht schnell, als wir die ungläubigen Gesichter vieler, vieler Leute vor den Tafeln voller „Cancelled“-Anzeigen sehen. Und weil Ryanair nun mal Ryanair ist und auch nichts für Aschwolken kann, bleibt uns nichts anderes übrig als eine 10-Stunden-Zugfahrt nach Tanger anzutreten, dort zu übernachten, beim Ticketkauf für die Fähre noch einmal schnell über den Tisch gezogen werden und dann noch ein paar Stunden mit dem Bus nach Sevilla zu fahren…
Und die Moral von der Geschicht: Mit Zeitreisen spielt man nicht!
Aber weil sich das jetzt irgendwie so dramatisch anhört: der Trip nach Marokko war toll, und auch die etwas verlängerte Heimfahrt war in unserer bunten 6er-Gruppe nicht so übel wie man meinen könnte. Auch wenn 4 davon Österreicher waren (HAHAHAHA). Kleiner Scherz.

Mittwoch, 14. April 2010

Comeback

Nun hat mich das Schicksal aller motivierter Blogger eingeholt: man lebt und hat keine Zeit und vergisst und schreibt nicht mehr. Aber ich bin wieder zurück, und das nicht nur bloggertechnisch gesehen, sondern ganz allgemein. Ich bin wieder zurück in Sevilla nach einem erholsamen Heimaturlaub, der mich leider um die erstaunliche Semana Santa hier gebracht hat, bei der alle Welt mit Heiligenstatuen und Masken, die mich ein wenig zu sehr an den Ku-Klux-Klan erinnern, durch die Straßen ziehen.
Damit ich die Heimat auch nicht gleich wieder vermisse ist sie übers Wochenende einfach zu mir gekommen: Hanna und Birgit sind nach vielen langen Stunden am Samstag bei mir eingefallen, um sich mal mein Leben hier anzusehen. Und bekamen promt einen Kulturschock als wir auf ein enormes Hippie-Festival gingen, bei dem es neben schönem Kunsthandwerk auch alle möglichen bekannte und unbekannte Gerüche und „Kräuter“ zu bestaunen gab. Neben solchen Verrücktheiten haben wir natürlich auch eine feine Touristen-Tour durch die Stadt gestartet und waren –ja was wohl?- Tapas essen.
Weil ich schon darauf achten muss, dass mir nicht plötzlich langweilig wird, mache ich mich mit ein paar Freunden am Freitag auf den –kurzen- Weg nach Marrakesch, Marokko. Für alle die jetzt Ohmeingott sagen: ich weiß, dass die Basare dort das Mekka der Taschendiebe sind. Aber was wäre das Leben ohne ein bisschen Risiko?
=)