Donnerstag, 18. März 2010

Ausflugszeit

Am Wochenende haben wir die Gunst der Stunde bzw. des Wetters genutzt, um uns zu Fünft in einen Ford Fiesta zu zwängen und die dreistündige Fahrt nach Granada anzutreten. Ich wurde gottseidank von der Aufgabe des Fahrens verschont, zum Wohle aller, vermutlich… Die erste Regel auf Spaniens Straßen lautet nämlich sehr darvinistisch: survival of the fittest.
Granada war dann jedenfalls toll, auch wenn wir es irgendwie nicht geschafft haben, den Eingang zur Kathedrale zu finden. Die Alhambra durfte natürlich auf unserer Tour nicht fehlen und ich muss schon sagen, das ist eine Palastanlage, in der es sich vermutlich gut leben ließ - auch wenn der halbstündige Bergaufstieg für mich nicht gerade einen Pluspunkt ausmacht =) Bei all dem Besichtigungsstress hatten wir einen Bärenhunger bekommen, leider aber zu einer unmöglichen Zeit für Spanien: zwischen 17 und 20 Uhr findet man hier kein Lokal, das offen hat – bis auf BurgerKing, wo wir im Endeffekt auch gelandet sind und uns dabei sehr touristisch gefühlt haben.
Gegen Abend ging es weiter nach Málaga. Die Landschaft auf der Fahrt dorthin soll sehr beeindruckend gewesen sein, davon kann ich aber leider nichts berichten, weil holpriges Autofahren auf mich eine unglaublich einschläfernde Wirkung hat… Málaga an sich ist eine nette Stadt mit einer Vorliebe für Einbahnstraßen und einem Picasso-Museum, das keine wirklich berühmten Bilder abgekriegt hat. Unser Hostel war auf den ersten Blick super, leider hatten wir etwas unangenehme Zimmergenossen – meine Ohrstöpsel bewahrten mich allerdings vor dem schlimmsten alkoholinduzierten jugendlichen Übermut. Meine Mitreisenden überkamen allerdings zeitweise ziemlich heftige Mordgelüste…
Nach Málaga ging es weiter über eine Küstenstraße –was ich leider wieder verschlafen habe- nach Marbella. Dort erwischten wir ausgerechnet die eine Stunde des Tages, in der es regnete, und auch den Strand würde ich hier nicht als bella bezeichnen: der Ruf vom schönen Meer hatte dort leider zur Folge, dass eine ganze Menge Blockhotels aus dem Boden gestampft wurden und nun nicht gerade zur Verschönerung des Stadtbilds beitragen. Das Stadtzentrum haben wir super vorbereiteten Ausflügler ohne Stadtplan leider nicht gefunden, deshalb sind wir gleich weiter zu unserer letzten Station: dem Bergstädtchen Ronda. Die Fahrt dorthin konnte nicht einmal ich verschlafen, weil der unglaubliche Blick über die bergige Landschaft niemanden ein Auge zutun ließ. Ronda selbst ist eine erstaunliche Stadt, die über einen Fluss und am Rande einer Klippe gebaut ein wirklich spektakulärer Anblick ist.
Weil ein Ausflug pro Woche noch nicht genug ist, haben Rainer und ich gestern einen Strandtag in Cádiz eingelegt und sind mit Sonnenbrand und Sand in den Haaren wieder nach Sevilla gekommen.
Alles in allem also eine tolle Sonnenwoche, die allein dadurch getrübt wurde, dass irgendwelche randalierenden A********* mein Fahrrad kaputt gemacht haben, und das noch dazu am anderen Ende der Stadt, was um so blöder ist, weil die Busfahrer sich weigern einen mit Rad mitzunehmen…

Mittwoch, 10. März 2010

Besuchszeit & Frühlingsbeginn

Das Ereignis der Woche lautet: es hat aufgehört zu regnen! Obwohl der Winter noch nicht kampflos aufgeben will und es uns ein wenig kühler macht als angenehm, so ist es doch seit gestern frühlingshaft sonnig geworden – was die mitteleuropäische Haut gleich mit einem Sonnenbrand belohnt, jedenfalls bei Rainer, der seit Sonntag –das zweite Ereignis der Woche- mein Besuch ist.
Die Sonne wirkt auf die Spanier ein bisschen wie starker Espresso: alle rennen auf die Straße und stecken die Hälse in die ersten Frühlingsstrahlen. Aber dass Spanier sich eher ungern innerhalb von Wänden aufhalten wissen wir ja bereits.
Rainer und ich haben die Gunst der Stunde jedenfalls genutzt und sind im üblichen Touristen-Outfit ins Zentrum marschiert und haben von allem Fotos gemacht, was berühmt aussah. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich es immer noch nicht geschafft habe, die Kathedrale zu besichtigen – aber wer kann den ahnen, dass die schon um 17 Uhr schließt?!
Dafür weiß ich seit gestern, dass die Bars der Alameda –an dem Platz wohne ich- zu alternativ sind, um so etwas Triviales wie ein Fußballspiel zu übertragen und wenn doch, dann wird zur Halbzeit der Fernseher ausgeschaltet. Sehr zum Leidwesen mancher fußballbegeisterter Besucher.
Um dem Bild des typischen Erasmus-Studenten gerecht zu werden, wird auch heute wieder fortgegangen und am Wochenende ist ein Trip nach Granada geplant – keine Sekunde Verschnaufspause also zwischen Kirchen und Clubs für mich genussüchtigen, lebenshungrigen Austauschstudenten.

Donnerstag, 4. März 2010

Vom Leben


Nun bin ich schon drei flotte Wochen in Spanien, oder besser gesagt in Andalusien- was wohl wirklich einen Unterschied macht- und es wird Zeit für ein bisschen Nähkästchengeplauder.
Der südlichen Mentalität wird vielleicht vieles nachgesagt, was nicht auf jeden Andalusier zutrifft – aber die Sevillanos wissen ehrlich wie man feiert. Der ganze Tag dreht sich hier, so scheint mir, ums Essen, und zwar in Verbindung mit einem kleinen Bierchen oder einer Wein(schorle), für die es nie zu früh am Tag sein kann. Wirklich abwechslungsreich zu essen ist für einen Vegetarier hier zugegebenermaßen nicht ganz so einfach, trotzdem ist (Tapas)Essen und auf ein Bier gehen meine Hauptbeschäftigung. Es gehört hier einfach zum Tagesablauf, sich Mittags oder Abends oder Mittags und Abends in einer kleinen Bar zu treffen und zu essen und zu trinken. Da ist es nicht ungewöhnlich, dass man gegen Mitternacht noch kleine Kinder zwischen den Bartischchen herumfetzen sieht. In den wenigen Stunden, in denen das Wetter bisher schön war, füllten sich die Straßen in Windeseile mit Menschen, die sich in winzige Gassen zwängten, in der linken Hand das Bier und in der rechten ein paar Tapas für zwischendurch. Es ist dann hier ungefähr so, wie in einem dieser Filme, in denen der Regisseur irre viele gutgelaunte Menschen anschleppt um ein Straßenfest als Kulisse für zwischenmenschliche Dramen zu schaffen. Nur dass hier kein Regisseur den Leuten Bescheid gibt. Glaube ich.
Jeden Tag wenn ich durch die Stadt laufe, bin ich wieder überrascht, wie SCHÖN es hier ist. Man stelle sich jede kopfsteingepflasterte Straße mit Orangenbäumen gesäumt vor –übrigens Zierpflanzen, die man nur essen sollte, wenn man wirklich Hunger hat und hart im Nehmen ist- und überall sind diese wunderbaren kleinen Plätze, die man sonst nur auf Kitschkarten sieht. Außerdem weiß ich nicht, womit die Sevillanos ihre Bäume düngen, aber irgendwie sind die hier alle unglaublich riesig und toll anzusehen – neben den vielen Palmen natürlich, für die ich wieder einmal ein wenig aufrichtigen Neid einheimsen möchte.
Erasmus-Studenten gibt es hier so viele, dass sie irgendwie einfach ignoriert werden von den Einheimischen. Die Leute an der Uni helfen auf Anfrage immer sehr gerne weiter –oder würden gerne, ich verstehe ihren Dialekt leider immer noch kein bisschen, aber na ja, der gute Wille zählt hier denke ich-, aber ansonsten ist es eher unwahrscheinlich, mit Spaniern in Kontakt zu kommen. Ich kann es ihnen nicht verdenken: ich würde auch nicht mit jemandem „reden“ wollen, der immer nur „si“ und „bueno“ sagen kann und nickt und lächelt wenn er etwas nicht versteht. Meine vereinzelten Versuche, auf Englisch auszuweichen trugen auch keine Früchte: wenn hier jemand behauptet, er kann Englisch, dann ist das eine glatte Lüge. Also besser abwinken und drauf beharren, Spanisch zu „sprechen“.
Alles in allem kann ich also langsam verstehen, dass es schwer fällt, Sevilla nach längerer Zeit wieder zu verlassen. Deshalb, rein ins Vergnügen solange es geht!

Montag, 1. März 2010

Citytrip

Wenn Sevilla und Córdoba Geschwister wären, dann sähe das in etwa so aus: Sevilla bekommt andauernd Ärger, weil sie so groß und laut ist, nie weiß wann sie besser die Klappe hält und in der Nacht nie vor 6 Uhr früh nach Hause kommt. Ihre kleine Schwester Cordoba sieht ihr äußerlich recht ähnlich, nur ist sie nicht so üppig und draufgängerisch, sondern geht abends schon mal gern in eine kleine Bar, kommt aber immer brav zum Schlafengehen nach Hause. Córdoba zeigt den Besuchern gerne winzige Gassen und Bars, in denen vielleicht eine Hippie-Truppe eine spontane Performance zeigt, Sevilla dagegen feiert zu spanischen Gesängen und freut sich, wenn alle Menschen um sie herum springen und klatschen und tanzen. Sie lächelt auch ein bisschen spöttisch über die kleine Schwester, die immer allen gefallen will und sogar Speisekarten auf Englisch und Deutsch anbietet. Zu so etwas würde sich die Größere wirklich nicht hinreißen lassen, sie bestellt niemals nach Karte, sondern das, was ihr gerade in den Sinn kommt. Sevilla gibt gern ein bisschen an mit ihrer großen Kathedrale und den vielen Gärten und arabischen Palästen, aber Córdoba kann durchaus auch mit inneren Werten aufwarten. Das Herz hat die kleinere Schwester jedenfalls am richtigen Fleck, nämlich mitten in der Altstadt und es nennt sich Mezquita. Das Bauwerk ist so etwas wie ein Symbol für die Geschichte Córdobas als Tau zwischen christlichen und muslimischen Herrschern: eine riesige Moschee, düster und mit hunderten Säulen und rot-weißen Gewölben, in deren Mitte von einem Christenfürst eine lichtdurchflutete Kathedrale gebaut wurde – purer Wahnsinn.
Am Wochenende hat sich Córdoba jedenfalls von seiner besten Seite gezeigt und wurde nur einmal kurz ein bisschen stürmisch, was aber an sich nicht weiter schlimm war. Als es drei Minuten regnete, haben wir uns einfach unter eine Hochzeitsgesellschaft gemischt und sind mit unseren blonden Haaren und den Stadtplänen in den Händen auch kaum aufgefallen.
Zum Schluss noch eine Entwarnung für alle, die gerne Wetterbericht gucken: ich bin bisher keinem Sturm zum Opfer gefallen und weiß zwar nicht so genau, wo der Orkan tobt, hier jedenfalls nicht. Und so leicht, dass mich ein bisschen Wind davon wehen könnte, bin ich nun auch wieder nicht. Um sicherzugehen habe ich heute aber erstmal traditionelle Churros (frittierter Teig mit Schokolade) gegessen und werde abends noch ein paar Tapas drauflegen.